Berichte und Geschriebenes

03.06.2012

Lesung von Lothar Kunke aus seinen Memoiren

Am 16.4. hatten wir aus der Linksjugend [’solid] die Möglichkeit an der Lesung Lothar Kunkes und seiner Memoiren teilzunehmen. Lothar Kunke hat eine bewegte Vergangenheit und mit seinen 89 Jahren bereits einiges erlebt. Aufgrund dessen gab sein Sohn den Anstoß diese Erinnerungen und auch die Geschichte seiner Vorfahren in einem Buch zu sammeln. Entstanden ist ein Buch in dem Lothars Vater bzw. dessen Leben den ersten Teil des Buches füllt und Lothar den zweiten Teil verfasste. Es wird ein kurzer Überrblick über die Geschichte Lothars Großvater, des „Roten Gustavs“ gegeben. Nachfolgend findet sich ein sehr eindrucksvoller Bericht über die Erlebnisse Lothars Cousins Horst in einer Haftanstal der Nazis in Plauen.. Dieser wurde wegen seiner politischen Überzeugung (er war KPDler) gefangen genommen. Irgendwann wurde er nach vielen Qualen physischer wie psychischer Art wieder frei gelassen, doch  Lothars Familie stand weiterhin unter Beobachtung. Sie mussten außerdem regelmäßig zu Veranstaltungen der Nazis, weshalb Lothar auch in Kontakt mit der Hitlerjugend kam. Hier wurden ihm teilweise lebensbedrohliche Mutproben befohlen . Lothars Vater hatte mehrfach versucht sich zu beschweren, fand jedoch keine Anlaufstelle.

Glücklicherweise konnte er all diese Grausamkeiten überstehen und uns davon erzählen. Wir bedanken uns recht herzlich für diesen Einblick bei Herrn Kunke und unterstützen sein Projekt auch weiterhin.

 

09.02.2012

Wir können die Welt verändern! – Bericht zur Veranstaltung mit Camila Vallejo
Auf Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft (GEW) fanden in den letzten Tagen überall in der Republik Veranstaltungen mit Camila Vallejo, ehemalige Präsidentin des  Federación de Estudiantes de la Universidad de Chile und Sprecherin der Confederación de Estudiantes de Chile  und „Gesicht“ der Bildungsproteste in vergangenen Jahr, statt. Mitgereist waren außerdem Karol Cariola, die Generalsekretärin der Juventudes Comunistas de Chile (Kommunistischen Jugend) und Jorge Murúa, Mitglied der Leitung der Metallarbeitergewerkschaft Confederación Nacional de Trabajadores Metalúrgicos (CONSTRAMET).

Seit fast zwei Wochen touren die drei VertreterInnen nun schon durch Deutschland, gestern fand die Abschlussveranstaltung der Vortragsreihe im bis auf den letzten Platz gefüllten Audimax der Humboldt-Universität in Berlin statt.  Hier hatte im Oktober 2010 auch der chilenische Präsident Sebastián Piñera gesprochen. Ihn und seine Regierung griff Vallejo in ihren Beiträgen immer wieder scharf an, denn schon seit Jahren wird in Chile ein strikter Kurs der Neoliberalisierung durchgesetzt, der maßgeblich für das prekäre Bildungssystem verantwortlich ist.

Schon 2006 begann sich eine Protestbewegung zu bilden, damals maßgeblich von SchülerInnen getragen, die vor allem gegen das L.O.C.E.-Gesetz protestierten, welches es so gut wie jedem ermöglicht, eine Schule selbst zu eröffnen und dafür staatliche Fördermittel zu beziehen. Nach und nach beteiligten sich auch immer mehr Studierende an der Protestbewegung und eine Kritik des Hochschulwesens fand Einzug in die Forderungen.

Das chilenische Bildungssystem ist sehr selektiv, die Qualität der Bildung hängt maßgeblich am Einkommen der Familie. Die Studiengebühren sind beispielsweise höher, als das monatliche Durchschnittseinkommen einer chilenischen Familie. So werden viele ChilenInnen von vornherein von höherer Bildung ausgeschlossen oder müssen sich schon frühzeitig hoch verschulden.

Weiterhin ist die Ausbildung an der Hochschule auch inhaltlich vom neoliberalen Politikkurs bestimmt, wie Vallejo verdeutlichte. Die Lehrinhalte sind eigentlich nur darauf angelegt, die Studierenden zum Gewinn-Streben zu erziehen, eine individuelle Gestaltung des Studiums ist kaum möglich und auch kritische Lehrinhalte sind so gut wie nicht vorhanden.
Die Bewegung ging daher schnell dazu über, nicht nur einzelne Forderungen zu stellen, sondern das komplette Bildungssystem umfassend in Frage zu stellen. Da jedoch die Hochschulen nicht im luftleeren Raum existieren, sondern Teil eines gesamtgesellschaftlichen Problems sind, ließ eine Gesellschaftskritik nicht lange auf sich warten. So wurde ein Vorschlag zur  Reformierung des Steuersystems ausgearbeitet und generelle Veränderungen für das starre politische System gefordert. Das macht auch die Stärke der Bewegung aus, sagte Vallejo. Es sind schon lange nicht mehr nur Bildungsproteste es ist eine starke soziale Bewegung entstanden, die nicht nur aus SchülerInnen und Studierenden besteht, sondern ein Querschnitt durch die chilenische Bevölkerung bildet.

Dass es sich um eine umfassende Bewegung handelt, erklärte auch Jorge Murúa. Es unterstützen sich z.B. ArbeiterInnen und Studierenden gegenseitig bei ihren Protestaktionen. Das Agieren ist jedoch schwierig, Gewerkschafts-AktivistInnen sehen sich harten Repressionen ausgesetzt und die Regierung versucht eine gewerkschaftliche Organisierung zu verhindern. Es gibt ein krasses Verteilungsproblem bei den Löhnen und die Durchsetzung von Positionen ist durch ein Repräsentationsproblem in den Parlamenten kaum machbar. Daher versuchen die Gewerkschaften ihre Interessen durch Protest auf der Straße zu artikulieren, gemeinsam mit SchülerInnen, Studierenden, Hausfrauen, KünstlerInnen und und und. Diese übergreifenden Bündnisse sind wichtig für die Bewegung betonte Karol Cariola, denn dadurch, dass der Protest in der Bevölkerung breit verankert ist, schwinde auch der Zuspruch an die derzeitige Staatsmacht.

Nur noch 23 Prozent der ChilenInnen stehen aktuell noch hinter der Regierung. Neue politische Kräfteverhältnisse sind also nötig und möglich. Und das sei eben ein Verdienst der Bildungsproteste, meinte Vallejo. Politische Positionen wurden transportiert und neue politische Praktiken etabliert. Es finden überall im Land BürgerInnen-Versammlungen statt und eine neue Generation von politisierten Menschen ist angetreten, die neoliberale Hegemonie in Chile zu brechen.

In einer schwierigen Position ob der großen und erfolgversprechenden Proteste in Chile befanden sich die deutschen Gäste an diesem Abend, Paula Rauch, Bundesgeschäftsführerin des Studierendenverbandes DIE LINKE.SDS und Andreas Keller, Vorstandsmitglied der GEW.
Rauch verglich die Situation von Chile und Deutschland und fand schon gemeinsame Ansatzpunkte. Auch in Deutschland habe das Hochschulwesen einen krassen neoliberalen Umbau erfahren, als Höhepunkt mit der Umstellung auf das Bachelor/Master-System. Aktuell gebe es eine zwei-Klassen-Ausbildung an den Universitäten, in denen die Masse sich in einem verschulten Bachelor-Studium wiederfindet und nur einem sehr kleinen Teil der AbsolventInnen der Zugang zu einem Master-Platz gewährt wird. Die damit bezweckte Kostensenkung für ein Studium führe aber nicht dazu, dass die Hochschulen nun über eine ausreichende Finanzierung verfügen, die Studienbedingungen hätten sich sogar verschlechtert, betonte Rauch.

Übervolle Hörsäle und schlechte Betreuungsverhältnisse seien mittlerweile der Normalfall. Und das Problem betrifft nicht nur die Studierenden, meinte Keller, auch die Lehrenden sind betroffen. Die meisten HochschulleherInnen befänden sich in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Dies sei jedoch keineswegs ein auf einzelne Länder beschränktes Problem, sondern Teil des globalen Paradigmas von der „Bildung als Ware“. Daher seien auch globale Bewegungen nötig, um Forderungen nach einer besseren und gerechteren Bildungssystem umzusetzen, auch wenn dazu für jedes Land unterschiedliche Strategien notwendig sind.

Dies kann auch als Fazit des Abends gesehen werden. Die Probleme in den Ländern sind sich gar nicht so unähnlich, so wie es auch die Forderungen der Bewegungen nach einer Überwindung des herrschenden neoliberalen Diskurses sind. Was entscheidend ist, ist daher die internationale Vernetzung und länderübergreifende Bündnisarbeit, denn so ist es vielleicht möglich, dass wir die Welt zumindest ein kleines bisschen zum Besseren verändern können.

 

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Bundeswehr raus aus Afghanistan – (Neo)Imperialistische Kriege beenden!




(ag) Etwa 4500 Menschen waren am Wochenende aus allen Teilen der Bundesrepublik nach Bonn gereist, um ihrer Ablehnung des Krieges in Afghanistan Ausdruck zu verleihen und gegen die Afghanistan-Konferenz zu protestieren.
Mit dabei waren auch AktivistInnen der Linksjugend ['solid] Halle, des SDS Halle und des SDS Merseburg.
Am gestrigen Montag ist in Bonn die 10. Afghanistan-Konferenz gestartet, bei der die in Afghanistan kriegführenden Staaten über ihr weiteres Vorgehen im Land beraten und ihre angeblichen „Erfolge“ feiern wollen.
Dass diese Konferenz eine reine Farce ist und die katastrophale Lage der Mehrheit der Afghaninnen und Afghanen völlig ignoriert, machten die FriedensaktivistInnen aus den verschiedensten Organisationen am vergangenen Wochenende deutlich.
Am Samstagmittag starteten zunächst die Aktionen des „Protestbündnis gegen Petersberg II“, die seit Monaten auch unter reger Beteiligung von GenossInnen von DIE LINKE.SDS und der Linksjugend ['solid] vorbereitet worden sind. Bei der Auftaktkundgebung auf dem Bonner Kaisersplatz sprachen unter anderem Monty Schädel, Geschäftsführer der DFG-VK und die afghanische Politikerin Malalai Joya, bevor sich dann der Protestzug durch die Bonner Innenstadt in Bewegung setzte. Rufe wie „Bundeswehr raus aus Afghanistan!“ und die zahlreichen Transparente der Demo-TeilnehmerInnen sorgten für viel Aufmerksamkeit und nicht wenige Passanten reihten sich spontan in die Demonstration ein, um gegen die Kriegskonferenz in ihrer Stadt zu protestieren.
Unterwegs brachten sich auch immer wieder GenossInnen der Linksjugend ['solid] und des SDS mit Redebeiträgen, z.B. zu den Themen Bundeswehr an Schulen und Rüstungsforschung bei den Kundgebungen ein.
Bis auf einen kurzen Zwischenfall, bei dem das Büro der Hochtief AG (dieses Unternehmen profitiert maßgeblich vom Krieg in Afghanistan, da es quasi als Staatsbauunternehmen den Wiederaufbau im Land für seine Gewinne nutzen kann) mit Farbbeuteln beworfen wurde, verlief die Demonstration wie geplant und fand mit einer Kundgebung, in der unter anderem Wolfgang Uellenberg (ver.di) und Gregor Gysi redeten, ihren Abschluss.
Am Abend fand dann noch eine von der LINKEN organisierte Podiumsdiskussion mit Gesine Lötzsch und AktivistInnen der Occupy-Bewegung aus den USA und Griechenland statt.
Für den Sonntag hatte das Bündnis zu einer Internationalen Konferenz unter dem Titel „Für ein selbstbestimmtes Afghanistan“ eingeladen, an der etwas 450 Interessierte teilnahmen.
In hochkarätig besetzten Podiumsdiskussionen und Workshops diskutierten die Anwesenden, über die aktuelle Situation in Afghanistan und tauschten sich über Alternativen abseits der imperialistischen Politik der Regierenden aus.
Übereinstimmend wurde die Bedeutung der Vernetzung der internationalen Friedensbewegung betont und die Solidarität der FriedensaktivistInnen untereinander hervorgehoben.
Hoch die internationale Solidarität – Nie wieder Krieg!